Ich frühstücke wie immer bei Morgengrauen und bereite mich für den Call vor der Webcam um acht vor. Papiere neben mir im Bett. Ich habe Schüttelfrost und messe mir wieder Fieber. 36.2. Vielleicht ist es bei mir umgekehrt, ich verliere an Temperatur. Ich habe Angst, krank zu sein. Um acht gehe ich in die Warteschleife. Diesemal kommt Musik. Für eine Stunde surfe ich im Internet, bis eine Frau auf dem Bildschirm erscheint. Ich liege im Bett, ungekämmt, aber das kann die Frau nicht wisssen. Ich gebe alle meine Daten durch und bestätige das, was sie vorliest. Bald ist ihr Spid aktiv, sagt am Ende die Frau. Ich gehe wieder auf eine Internet-Seite, um den Spid zu aktivieren. Doch der Computer legt lahm. Der Bildschirm wird schwarz. Mein Mann ruft an. „In allen Radio-Sendern ist die gleiche Musik.“ Seine Stimme klingt alarmiert. „Kannst du im Internet kontrollieren, was passiert ist?“, fragt er. Er besitzt kein Smartphone. „Mein Computer ist abgestürzt und ich werde mit der Internet-Seite der Vorsorge-Kasse verückt. Ich schau nachher nach, Ok?“
Ich frage mich, ob es den Aufwand wert ist, da ich ja noch nicht einmal sicher bin, das Geld überhaupt zu bekommen. Ich schaffe es, meinen Computer wieder in Gang zu setzten und finde Webseiten, auf denen ein Service angeboten wird, der meine getane Arbeit für fünfzig Euro anbietet. Dann lese ich woanders die Meldung, dieser Service sei nicht regulär. Man könne nur direkt über die Seite der Vorsorge-Kasse das Geld beantragen. Es sei ein Gerücht, dass nur die ersten das Geld bekommen. Um halb eins habe ich einen Spid und ich habe die Pin-Nummer an der Vorsorge-Kasse beantragt. Es wird sicher ein paar Tage dauern, bis sie für mich bereit steht, hoffentlich nicht zu lange.
Zum Mittag gehe ich mit meinem Mann einkaufen, eine meterlange Schlange. Wieder eine halbe Stunde warten. Die Leute stehen im Abstand zueinander. Hinter mir hustet und niest ein Mann. Ich schimpfe ihn an, er soll nicht so nah mit seinem Einkaufwagen an mich ranfahren. Er grinst wie ein Kind, auch wenn er sicher fünfzehn Jahre älter als ich ist. In den Gängen ist es manchmal schwer an den Leuten vorbeizukommen. Vor den Kirchererbsen stehen zwei alte Männer und schwätzen. Ich kaufe keine Kichererbsen. Gemüse, viel Gemüse, Erde und Blumen, Reis, Kekse, Käse, eine Maus für meinen Computer. Mein Mann kauft Wein und Joghurt.
Zuhause geht es mir besser. Ich fühle mich nicht mehr krank. Wir sitzten auf dem Balkon und schwätzen mit den Nachbarn. Die Frau im Haus nebenan hat zwei Katzen, eine schlanke rote und eine dicke gescheckte. Die dicke bleibt im Haus und blickt nur mit dem Kopf raus. Unten im Garten putzen eine Nachbarin und ihre Mutter den Staub von den Blättern der Pflanzen. „Man muss ja etwas tun,“sagt die Mutter. „Es ist eine Art Beschäftigungstherapie.“
Ich hole alte Bocciakugeln heraus und ich spiele mit meinem Mann im Garten. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich mit meinem Vater und mit meinem Bruder Boccia gespielt habe, in den Siebzgern und den frühen Achtzigern. Wir werden immer mehr zu Kindern.