Der Doppel-Schreier

Eine fesselnde Geschichte über Familiengeheimnisse, ideologische Blendungen, Freundschaft und Liebe

Erscheinungsdatum: 25.Juni 2024

„Die Entstellung wird sich selbst aufheben,
indem sie sich bis in die Erlösung hinein durchsetzt.
Diese Achsenverschiebung in der Erlösung
manifestiert sich darin, dass sie Spiel wird.“

(Walter Benjamin, Kafka-Essay)

Reinhard ist 1985 bei einem Motoradunfall in Indien umgekommen. Wurde Zara damals erzählt. Doch nun erfährt sie durch Zufall, dass nur die Lederjacke begraben wurde, ihr Vater lebt und sich im Nahen Osten aufhält. Kurz bevor er verschwand, stritten ihre Eltern über die Palästinenserfrage. Da hatte Reinhard als Kriegsreporter schon einige Jahre über den Palästinenserkonflikt berichtet. Zara muss herauszufinden, was wirklich geschah. Doch ihre Mutter und die Berliner Freunde des Vaters halten dicht. Sie entschließt sich, nach Damaskus zu fliegen, um Reinhards Spuren zu folgen.

In „Der Doppel-Schreier“ geht es nicht nur um Liebe, Freundschaft und Familienbande, sondern auch um Generationskonflikte,  kulturelle Missverständnisse, ideologische Blendungen und deren Folgen.

Bald ist es soweit. Am ersten Mai erscheint „Anti“

Hier schon einmal eine Leseprobe

Daten zum Buch:

  • Lisei Luftvogel, Anti
  • Tredition Verlag
  • Hardcover
  • 118 Seiten
  • 20 Euro
  • Erscheinungsdatum 1.Mai 2023
  • ISBN 978-3-347-87791-7

Mit Kreativität die Angst überwinden

Ausflug in eine Kindheit – Rezension

von Birgit Spaeth.

Kinder haben nicht selten ein geradezu brutales Alltagsleben. „Anti“, das Erstlingswerk von Lisei Luftvogel berichtet aber nicht von Gewalt gegen Kinder, sondern vielmehr zwischen ihnen. In fein beobachteten Miniaturen erzählt die Autorin aus Kindersicht von den Bewährungskämpfen auf dem Schulhof,  auf der Straße, im Hort und – ja – auch in der Familie. Die besteht hier allerdings nicht aus Vater, Mutter, Kindern, sondern aus wechselnden mehr oder weniger großen Wohngemeinschaften. „Anti“ steht für antibürgerlich – und das sind fast alle Figuren des Romans, so etwa der etwas ältere Beschützer der Schulanfängerin und Protagonistin Maja, ein Romajunge, die antiautoritären Erzieherinnen und Erzieher im Hort, die Antifa-Eltern sowie fast deren gesamtes soziales Umfeld.

Atemlos eilt dieser kurze Roman durch zwei Jahre Kinderleben. Ohne erzählerischen Abstand zu halten, reißt die Autorin eine Fülle von erlebten kleinen und kleinsten, aber auch größeren Ereignissen an. Sie schöpft aus einer sprudelnden Quelle von wichtigen Themen, die zum „Großwerden“ gehören: die kreativen Spiele und Kämpfe drinnen und draußen, Ängste im Umgang mit Autoritäten sowie den Phantasien, sie beherrschbar zu machen, erwachende und verebbende Freundschaften, kindliche Sexualität, Glaube und der frühe Beginn politischen Denkens. In der Auseinandersetzung scheint immer wieder die Frage auf: Bin ich ok – so anti, wie ich bin? Beim Lesen bleibt kaum Zeit zum Innehalten. Der Erzählfluss ist so mitreißend, dass man sich eine Fortsetzung wünscht.


Die Autorin Lisei Luftvogel wurde 1971 in Essen geboren. Sie lebt und arbeitet heute in Ferrara (Italien) als Deutsch- und Feldenkrais-Lehrerin. 2021 absolvierte sie einen Kurs für kreatives Schreiben bei der Textmanufaktur, in dem die Idee für diesen Erstlingsroman entstand.

Daten zum Buch:
Lisei Luftvogel: Anti
Tredition Publishing
Hardcover
120 Seiten
20 Euro
Erscheinungsdatum 1.Mai 2023
ISBN 978-3-347-87791-7

Von Pommes, Bier und Wellensittichen

Nachdem wir in der Küche unsere Pommes aus den Pappschälchen verdrückt hatten, Dieter mit Currywurst, ich rot- weiß, sortierte ich meine Schultüte. Die Überraschungseier legte ich nach ganz oben, damit sie nicht zerquetscht wurden. Dieter öffnete die zweite Stauderflasche. Das letzte Mal in der Kneipe hatte ich sieben Gläser gezählt. Dieter meinte, nach einer gewissen Menge Bier würde er so seltsam reden wie unser Wellensittich. Mit oder ohne Sprechperlen, wollte ich wissen. Mit Sprechperlen natürlich. In die Schultüte passte wirklich alles hinein. Ich band die Schleife an dem Krepppapier zusammen. Die Schleife wurde ein Knoten. Unzufrieden zupfte ich daran herum. „Gib schon her“, sagte Dieter. Zum Glück war er noch nicht zum Wellensittich geworden. Yogi saß aufgeplustert auf der Stuhllehne, seine Augen geschlossen. „Bring den Vogel mal ins Bett“, sagte Dieter, „und du solltest auch gleich.“
„Er schläft doch schon.“
„Bei dem Licht kann keiner schlafen, der tut nur so.“
Ich stellte die Tüte am Eingang ab und holte meine
Schultasche, das Etui und den Malblock. Dora hatte die Stifte im Etui ausgetauscht. Ich roch an den Buntstiften. Lecker. Ich schloss es wieder und legte es in die Schultasche. „Wir hatten früher nur Griffelkästen und nicht so schöne Stifte“, sagte Dieter. Er war bei Flasche drei.
Ich fixierte meinen Vater. „Woran erkenne ich, dass du komisch wirst?“
Er zuckte mit den Schultern. „Morgen beginnt der Ernst des Lebens. Da musst du ausgeschlafen sein.“
Jetzt hörte er sich wirklich seltsam an, aber nicht wie Yogi, wenn er lustig auf meinem Finger hüpfte, an ihm knusperte und vor sich hinbrabbelte. Ich stellte mir Dieter als Wellensittich vor, mit einem weichen blauen Federbauch und musste lachen.
Aus: Lisei Luftvogel, Anti, 120 Seiten, Erscheinungsdatum erster Mai

Antiautoritäre Erziehung Berlin Pisa Damaskus Beirut Buchrezension dailyprompt dailyprompt-2099 E-Book Familiengeheimnisse Frankfurter Buchmesse Frensh Theory Freundschaft Freundschaft und Liebe Roman Generationskonflikt Buch Geschwister Historische Romane ideologische Blendung ideologische Verblendung Roman Katernberg kulturelle Missverständnisse Kulturelle Missverständnisse Buch Kulturen verstehen Lesung Literatur Naher Osten Naher Osten Roman Neuerscheinung 2023 Neuerscheinung 2024 Neuerscheinung Roman Nonkonformismus Parallelwelten Reiseabenteuer Buch Rezension Roman Romandebüt Ruhrgebiet Schrei Schule des Südens siebziger Jahre Spannung und Drama Suche nach Identität Syrien Libanon Literatur Top ten Indipendent Vergangenheitsbewältigung Roman Verlagssuche Walter Benjamin Zwischenwelt

WIR

WIR, so fing mein Lesekurs an. Das erste Wort. Wir sei wichtiger als ich, erklärte mir Dora. Drei magische Zeichen. Den Papierbogen mit den großen in Schreibschrift geschriebenen Buchstaben zeichnete ich mit dem Finger nach. W I R stand für das Leben in der Gemeinschaft. Wir, das war nicht nur unsere Familie, es waren auch die Kinder aus der Gruppe Drei, die Studenten, die Freunde. Alle Menschen, mit denen wir in Beziehung gerieten. Das Wir war solidarisch. Ein mächtiges Wort. Wir als Gruppewaren stark, ich als einzelne verloren. Ich malte mit meinen Filzstiften das Wir-Gefühl, meinen Bruder Jo, Aljoscha und Nicole, andere Kinder aus der Gruppe drei, die Mitarbeiterinnen, Dora und Dieter, ihre Freunde, Kommilitonen aus der Uni, den Mann von der Pommesbude, die Frau von der Kasse bei Plus, den Getränke- und Zeitungshändler mit der dicken Hornbrille.

Der Kurzroman „Anti“ erscheint am ersten Mai bei Tredition.

    Antiautoritäre Erziehung Berlin Pisa Damaskus Beirut Buchrezension dailyprompt dailyprompt-2099 E-Book Familiengeheimnisse Frankfurter Buchmesse Frensh Theory Freundschaft Freundschaft und Liebe Roman Generationskonflikt Buch Geschwister Historische Romane ideologische Blendung ideologische Verblendung Roman Katernberg kulturelle Missverständnisse Kulturelle Missverständnisse Buch Kulturen verstehen Lesung Literatur Naher Osten Naher Osten Roman Neuerscheinung 2023 Neuerscheinung 2024 Neuerscheinung Roman Nonkonformismus Parallelwelten Reiseabenteuer Buch Rezension Roman Romandebüt Ruhrgebiet Schrei Schule des Südens siebziger Jahre Spannung und Drama Suche nach Identität Syrien Libanon Literatur Top ten Indipendent Vergangenheitsbewältigung Roman Verlagssuche Walter Benjamin Zwischenwelt