Rezension von Walter Pobaschnig
Literatur outdoors 7/24
„Die Blätter fallen. Und zwei rote davon direkt auf den Sarg ihres Vaters. Sprachlos stehen Zara und ihre Mutter vor dem Dunkel des Grabes. Viele Freunde sind gekommen, es ist bunt wie das Leben des Reporters, der in Indien bei einem Motorradunfall starb. So heißt es, jetzt, im stummen Fall der Blätter. Doch für Zara zerreißt die Stille im Schmerz und sie stürmt davon, wie ihr Vater Reinhard in seinem Leben zwischen Kulturen, Grenzen, Begegnungen und Aufbrüchen…
In Italien begegnen Zara und Ruth dem Fotografen Johannes, einen Kollegen des Vaters und jetzt kommt es zu einer Offenbarung, der Zara nur mit einem Schrei begegnen kann…
Ihr Vater ist nicht tot. Im Grab liegt nur die verbrannte Lederjacke.
Und jetzt bricht Zara auf. Eine Spurensuche beginnt zwischen Tochter und Vater, Erinnerung und Erfahrung, Religion, Kultur und Politik, Liebe und Schmerz, Hoffnung und Ausweglosigkeit…
Lisei Luftvogel, in Essen geborene und in Ferrara lebende Autorin, legt mit Der Doppelschreier ihren zweiten Roman vor und begeistert darinmit sprachlicher Virtuosität in einem kulturellen roadmovie der Sonderklasse.
Die studierte Philosophin wie ebenso der Arabistik/Judaistik packt eine spannungsgeladene persönliche Spurensuche in Brennpunkte der Zeitgeschichte des Nahen Ostens wie Kalten Krieges und lässt so ein Gesellschaftspanorama entstehen, dass an ganz große literarische Werke wie Thomas Mann oder Alfred Döblin erinnert, allerdings im verdichteten Zeitraffer eines krimigleichen Erzählstranges, der im dialogischen wie topografischen Tempo eine genuin selbstbewusste wie faszinierende literarische Form findet.
„Ein mitreißender Spannungsgenuss mit tiefen Reflexionsebenen der Zeitgeschichte!“
Der Doppelschreier, Lisei Luftvogel. Roman. Tredition.
Sprache: Deutsch
Ausgabe: Gebundenes Buch
Umfang: 396 Seiten
Verlag: Tredition
Erscheinungsdatum:25.06.2024
Preis: 25 Euro (Hardcover), 9,99 Euro (E-Book)
ISBN Hardcover: 9783384197207
ISBN E-Book: 9783384197214“
Walter Pobaschnig 7/24
