Ich lade euch alle ganz herzlich zu meiner Lesung am 23.8. um 18:30 bei Buch im Busch in der KoFabrik in Bochum ein.

Ich lade euch alle ganz herzlich zu meiner Lesung am 23.8. um 18:30 bei Buch im Busch in der KoFabrik in Bochum ein.
Die Autorin Lisei Luftvogel veröffentlicht ihren neuesten Roman „Der Doppel-Schreier“, der Leser*innen in die faszinierende und komplexe Welt des Nahen Ostens entführt. Mit tiefgehenden Einblicken in historische Ereignisse und kulturelle Zusammenhänge bietet dieses Buch ein einzigartiges Leseerlebnis, das sowohl unterhaltsam als auch lehrreich ist.
Lisei Luftvogel, 1971 im Ruhrgebiet geboren, bringt mit ihrem neuen Roman „Der Doppel-Schreier“ eine Erzählung auf den Markt, die im Frühjahr und Sommer 2008 spielt, sowie mit Erinnerungen aus den 70er und 80er Jahren bestückt ist. Der Roman führt die Leser*innen nach Berlin, Pisa, Damaskus und Beirut und behandelt Themen wie den Kalten Krieg, den Nahostkonflikt, linken Terrorismus, kulturelle Missverständnisse und ideologische Blendungen.
Die Geschichte folgt der Protagonistin Zara, die nach dem vermeintlichen Tod ihres Vaters durch einen Motorradunfall in Indien im Jahr 1985 erfährt, dass dieser noch lebt. Ihre Suche nach der Wahrheit führt sie durch die labyrinthischen Gassen der Altstadt von Damaskus bis in die Berge des Libanons. Auf dieser spannenden Reise wird Zara mit der komplexen Vergangenheit ihres Vaters konfrontiert und muss sich den Herausforderungen ihrer eigenen Identität und Familiengeschichte stellen.
Warum sollte man das Buch lesen?
Lisei Luftvogel, geboren in Essen und aufgewachsen in der linksalternativen Szene, hat eine bewegte Vergangenheit. Bereits als Kind reiste sie durch Europa und erlernte zahlreiche Sprachen. Ihre akademische Laufbahn führte sie nach Perugia, wo sie Philosophie, Anthropologie und Assyrisch-Babylonisch studierte, und später nach Venedig, wo sie Arabisch und Jiddisch lernte. Ihre Reisen nach Syrien und in den Libanon, ihre Studien von Autobiografien und sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschungen, sowie ihre Erfahrungen in der linken Alternativszene ihrer Eltern prägen ihre tiefgründigen und vielschichtigen Erzählungen.
Luftvogel lebt seit über zwanzig Jahren in Ferrara, wo sie als Deutsch- und Feldenkrais-Lehrerin tätig ist. Ihre umfassenden Kenntnisse und persönlichen Erfahrungen spiegeln sich in ihren literarischen Werken wider. „Der Doppel-Schreier“ ist eine Synthese ihrer lebenslangen Beobachtungen und Recherchen zu politischen und kulturellen Konflikten.
„Der Doppel-Schreier“ ist ein Muss für jeden Leser, der sich für die historische und kulturelle Komplexität des Nahen Ostens interessiert. Mit einer fesselnden Handlung, emotionaler Tiefe und reichhaltigen Charakterentwicklungen hinterlässt dieses Buch bei den Leser*innen einen bleibenden Eindruck.
Der Doppelschreier erscheint am 25.Juni bei Tredition.
Als Hardcover und als E-Book überall im Buchhandel erhältlich.
Erscheinungsdatum: 25.Juni 2024
„Die Entstellung wird sich selbst aufheben, indem sie sich bis in die Erlösung hinein durchsetzt. Diese Achsenverschiebung in der Erlösung manifestiert sich darin, dass sie Spiel wird.“ (Walter Benjamin, Kafka-Essay)
Reinhard ist 1985 bei einem Motoradunfall in Indien umgekommen. Wurde Zara damals erzählt. Doch nun erfährt sie durch Zufall, dass nur die Lederjacke begraben wurde, ihr Vater lebt und sich im Nahen Osten aufhält. Kurz bevor er verschwand, stritten ihre Eltern über die Palästinenserfrage. Da hatte Reinhard als Kriegsreporter schon einige Jahre über den Palästinenserkonflikt berichtet. Zara muss herauszufinden, was wirklich geschah. Doch ihre Mutter und die Berliner Freunde des Vaters halten dicht. Sie entschließt sich, nach Damaskus zu fliegen, um Reinhards Spuren zu folgen.
In „Der Doppel-Schreier“ geht es nicht nur um Liebe, Freundschaft und Familienbande, sondern auch um Generationskonflikte, kulturelle Missverständnisse, ideologische Blendungen und deren Folgen.
In der Bar Pasticceria Salza standen zwei alte Männer, beide den einen Fuß hinter dem anderen, einen Arm lässig an dem dunklen Holztresen gestützt. Sie diskutierten über die Fußballergebnisse mit einem der Barmänner in Uniform. Ein anderer Angestellter bediente hinter den riesigen Auslagen an Törtchen, Bomboloni, Cannoli, Cornetti und Eis. An der Kaffeemaschine stand Zaras Lieblingsbarfrau. „Macchiato?“, fragte sie, Zara nickte. Johannes nahm das Gleiche. An den Tischen saß bloß ein Pärchen, das leise tuschelte. Zaras Magen war blockiert. Auf Cornetti hatte sie keinen Appetit mehr. Ruth war verschwunden. Auch am Handy antwortete sie nicht.
„Musst du jetzt gleich los?“, fragte Zara.
„Ich schreibe Annette eine Nachricht.“
„Ci sediamo“, rief Zara der Barfrau zu. Den altmodischen Saal mit der dunklen Holzverkleidung, den knopfgepolsterten Wandbänken und den kleinen Tischen davor mochte sie. Der dunkle Ton verlieh der Bar ein edles Flair. Johannes begutachtete die Drucke an der Wand, Ansichten der Stadt. „Diese Bar ist eine Institution“, sagte Zara und setzte sich auf eine Bank.
Die Bedienung brachte die zwei Espresso mit Milchschaum in Herzform. Johannes zog seinen durchnässten Baumwollpullover aus. Darunter trug er ein schniekes hellblaues Hemd.
Als er sich Zara gegenübersetzte, bemerkte sie in seinem Gesicht zwei symmetrische Falten, Denkerlinien, die von seiner Nase bis zu den Schläfen führten.
„Du ähnelst deiner Mutter“, sagte er.
Zara tat so, als hätte sie es nicht gehört.
„Sag mal, hattest du eigentlich mal was mit Ruth?“
Johannes nippte an seinem Caffè und stellte die Tasse wieder auf die Untertasse. Zara hörte das leise Klirren des Porzellans.
„Nur für kurze Zeit.“
„Wie kurz?“
„Ruth war mal zu uns in die Kommune in den Taunus gekommen, als sie sich mit Reinhard gestritten hatte. Ich hatte sie getröstet. Sie ist …“, er kratzte sich an seinen dünnen, strubbeligen Haaren, „ungefähr eine Woche geblieben.“
„Da war ich doch dabei. Ein paar Jahre bevor Reinhard verschwand.“ Das Wort „verschwand“ hörte sich in Beziehung zu Reinhard ungewohnt an.
„Ja, stimmt, das war kurz, bevor ich Annette kennengelernt habe.“
Draußen donnerte es. Eine Menschengruppe sammelte sich unter der Arkade am Eingang der Bar. Man hörte den Regen auf den Asphalt klatschen. Die Bar füllte sich, das Regengeräusch mischte sich mit den lauten Stimmen der Kunden. „Tempo di merda“, hörte Zara und „tempaccio“, auch „Maremma maiala“. Die Leute drängten sich am Tresen. Kaffeemühlengeräusche und das Abschlagen der Kaffeesiebe.
Aus: Lisei Luftvogel, der Doppel-Schreier, Roman
„Johannes hat recht, lass uns in eine Bar gehen“, wandte Ruth ein.
„Ich gehe jetzt in keine Bar und ihr bleibt hier! Wovor habt ihr denn Angst, vor Jesus? Bei dem Wetter kommt hier sowieso keiner rein. Draußen ist alles voller Schlamm.“
Ruth atmete laut. „Kannst du dich erinnern, als ich dir an der Beerdigung erklären wollte, dass er in einer anderen Ebene lebt?“
„In einer anderen Ebene? Das hat sich nach religiösem Zeugs angehört. Mein Gott! Buddhistische Reinkarnation oder so. Er war doch in Tibet gewesen.“ Zara blickte zu Johannes. „Und von einer bescheuerten Versuchskatze hat sie mir auch erzählt, eine, die zugleich lebt und tot ist.“
„Schrödinger“, sagte Ruth.
Johannes stand in der jetzt von Licht durchfluteten Pforte. „Schrödinger?“, fragte er halblaut.
„Ja genau, Schrödinger. Weißt du Ruth, wie lange ich mir damit den Kopf zerbrochen habe. Diese Geschichte der anderen Ebene. Wieso sollte Syrien eine andere Ebene sein, oder Indien?“
„Weil es Ebenen gab, von denen man besser nichts wusste. Mitwissen ist nicht immer ungefährlich. Reinhard war da in was reingerutscht. Ich wollte damit nichts zu tun haben und musste dich schützen.“
Johannes nickte. „Ich bin nach dem Massaker von Sabra und Schatila aus der Kriegsreportage ausgestiegen. Das hat mich fertig gemacht. Die Albträume haben mich geplagt. Manchmal habe ich immer noch welche. Es hat ewig gedauert, bis ich wieder ein normales Leben führen konnte.“
Zara sah zum angeleuchteten Johannes. „Was hat das mit den Ebenen und gefährlichem Mitwissen zu tun?“
„Das versteht man nur, wenn man es selbst miterlebt. Ich wollte da nicht weiter reinrutschen.“
aus: Lisei Luftvogel, Der Doppel-Schreier, Roman
Ich erinnere mich an den Fall der Mauer. Ich war achtzehn und verliebt, aber mein Angehimmelter wollte mich nicht. Ich betrank mich bei ihm zu Hause mit Tequilla. Die Nacht als die Mauer fiel, habe ich furchtbar gekotzt. Am nächsten Tag ging der Radiowecker mit der Nachricht an: „die Mauer ist auf!“, ich dachte ich sei immer noch besoffen.
„WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?“, Zara schrie so laut, dass es durch die ganze Kuppel hallte. Die Wände drehten sich. Sie legte die Hände auf den Kopf. Die Kolonnen drehten schneller. Der Fußboden sah aus wie Spinnweben. Sie zog den Kopf nach hinten und schrie weiter in Richtung ockerfarbener Kuppel. Die schwarz-weißen Säulen drehten sich, sie drehten sich, sie drehten sich. Zara schrie, sie schrie wie der Schrei von Munch. Das Bild hatte ihr als Kind Angst gemacht. Jetzt war sie selbst dieser Schrei. Schrei. Schrei. Schrei. Uaaaaaaaaaaaaaah. Ruth klebte ihr eine. Der Schrei blieb ihr in der Kehle stecken. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Zara Ruth an und schlug sie zurück. Ruth taumelte leicht. Johannes machte ein paar Schritte rückwärts in Richtung Ausgang. Die Wände rotierten nicht mehr. „Du bleibst hier“, schrie Zara Johannes an. „Ja“, sagte er leise. „Das geht hier alle an, nicht nur Ruth und mich. Komm bitte rein.“
Ruth setzte sich jenseits der Absperrung auf die Marmorstufen des Taufbeckens und begann zu weinen. Johannes nahm neben ihr Platz und streichelte ihr den Rücken.
„Johannes! Was hast du gesagt?“ Zaras Stimme war rau geworden.
Stille. Eine Minute Stille. Nur Ruths Schluchzen war zu hören, sie putzte sich die Nase.
„Ich habe Reinhard in einer Eisdiele in Damaskus getroffen.“
„Sag mal, spinnst du?“
„Wie?“
„Reinhard lebt? RUTH! Ihr seid doch alle bescheuert. Was geht hier ab?“
Johannes blickte hilfesuchend zu Ruth.
„Lass uns in Ruhe darüber sprechen“, sagte Ruth mit gebrochener Stimme.
„Du spinnst doch total. Die Beerdigung war gar nicht echt?“
„Was für eine Beerdigung?“, fragte Johannes.
„Wusstest du davon gar nichts?“, schrie Zara.
„Ich? Nein. Was für eine Beerdigung?“
„Seiner Lederjacke“, sagte Ruth leise.
„Ich habe geglaubt, er sei tot, du weißt das, Ruth.“
„O Mann, Scheiße“, sagte Johannes.
Da You Tube zu viele Cookies verwendet, habe ich das Video von meiner Seite genommen.
Es handelt sich um die Lesung in der Kofabrik Bochum im August 2023.
🥳📕
Am 20. August um 18:00 bin ich in Bochum.
Ich freue mich auf jeden von Euch 😊 Schaut vorbei.