Auf der Suche nach dem verschollenen Vater
Rezension von Edith Nebel
Die Ausgangssituation und Zaras sehr bildhaft und lebendig beschriebene Reise finde ich ungeheuer faszinierend. Und ich mag die internationale Atmosphäre, in der’s in allen möglichen Sprachen munter durcheinandergeht.
Text ohne Spoilerlinks, mit Spoilern befindet sich die Rezension auf:
„Sie sah ihn wieder vor sich, schwarz gekleidet, kühn wie ein Rockstar. Ihren Vater, den sie einst so geliebt hatte und der ihr so viele Dinge von der weiten Welt erzählt hatte. Für sie war er immer ein Humanist mit großem Gerechtigkeitssinn gewesen. Hatte es einen Riss in seinem Leben gegeben oder war er ein anderer Mensch geworden? […]“ (Seite 302/303)
Berlin 1985: Zara Baumann (15) ist untröstlich: Ihr Vater ist in Indien bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Seine Beisetzung in Deutschland ist nur ein symbolischer Akt. Trotzdem sind zahlreiche Freunde und Weggefährten aus der linksalternativen Szene erschienen, um Abschied zu nehmen.
Kindheit im linksalternativen Milieu
Studentenbewegung, Wohngemeinschaften, Hausbesetzung, Demos und endlose politische Diskussionen: In diesem Umfeld ist Zara aufgewachsen. Ihre Eltern, Ruth und Reinhard, schleppen sie von klein auf überall mit, kümmern sich aber sonst nicht weiter um sie. Die Kinder in den Wohngemeinschaften machen, was sie wollen.
Der Vater verschwindet
Papa Reinhard ist als Kriegsberichterstatter ständig unterwegs. Wenn er sich mal zuhause blicken lässt, ist das für Zara, als würde sich ein Superheld die Ehre geben. Ruth feiert die Stippvisiten ihres Lebensgefährten nicht ganz so sehr. Seine ständige Abwesenheit und seine Affären hat sie langsam satt, und auch seine zunehmende Radikalisierung in der Palästinenserfrage kann sie nicht mittragen. Dem steht ihre eigene Familiengeschichte entgegen.
Eines Tages verschwindet Reinhard aus ihrer beider Leben – und jetzt ist er tot.
Eine folgenschwere Begegnung
Pisa 2008: Zara, inzwischen 38, Philosophin, pendelt zwischen Berlin und Pisa, wo sie jeweils befristete Jobs als Wissenschaftliche Mitarbeiterin hat. Seit 23 Jahren ist ihr Vater jetzt schon tot.
Eines Tages laufen ihre Mutter und sie auf der Piazza dei Miracoli zufällig dem Fotografen Johannes Hummel über den Weg, Reinhards altem Freund und Kollegen, den sie seit 25 Jahren nicht mehr gesehen haben. Die Freude ist riesig, bis der Mann arglos eine Bombe platzen lässt:
„Echt ein komischer Zufall“, sagte Johannes, „vor kurzem habe ich Reinhard in Damaskus getroffen, und jetzt euch hier.“ (Seite 13)
Zara fällt aus allen Wolken. Reinhard lebt? Und Ruth hat das all die Jahre gewusst? Heißt das, er ist einfach untergetaucht und hat sich nie wieder gemeldet? Aber wieso?
Johannes ist die Sache furchtbar peinlich. Dass Reinhard tot sein soll, ist ihm völlig neu. Ruth schweigt und Zara ist wild entschlossen, ihren Vater aufzuspüren und herauszufinden, was hier gespielt wird.
Zara auf Spurensuche
Berlin, Damaskus, Beirut 2008: Bei Reinhards alten Freunden in Berlin fängt Zara mit der Suche an. Doch die wissen entweder nicht, wo er sich gegenwärtig aufhält oder sie tun nur ahnungslos. Gut, wenn sie hier nicht weiterkommt, dann vielleicht in Damaskus. Kurzerhand reist sie hin. In der Eisdiele, in der Johannes ihn getroffen hat, fängt sie mit der Suche an. Gar nicht so einfach, wenn man nur ein über 20 Jahre altes Foto hat und nicht weiß, welchen Namen er inzwischen benutzt.
Zara kommt schnell mit Menschen ins Gespräch, und so erhält sie bald tatkräftige Unterstützung von der syrischen Reiseleiterin Rula und vom deutschen Studenten Maurice. Der spricht Arabisch und scheint alle Welt zu kennen, ist aber ein bisschen zu vertrauensselig. Und das sollte man hier nicht sein.
Reale Gefahr oder Verfolgungswahn?
Zara lernt eine Menge interessanter und hilfsbereiter Menschen kennen. Sie erfährt vieles über politische Hintergründe und Zusammenhänge, aber sie weiß nie, wem sie wirklich trauen kann.
In die Suche nach ihrem Vater kommt erst so richtig Bewegung, als sie den italienischen Kriegsberichterstatter Luca kennenlernt. Ihn hat sein Beruf den Seelenfrieden und die Familie gekostet. War das bei Reinhard auch so? Oder ist der irgendwann abgedriftet und hat noch ganz andere Dinge getan als über die Konflikte zu schreiben? Eine Spur führt Luca und Zara nach Beirut …
Erkenntnisse gewonnen, Illusionen verloren
Im Laufe ihrer abenteuerlichen Suchmission lernt Zara viele Menschen und Schicksale kennen, taucht ein in eine neue Kultur und Sprache, erfährt einiges über politische Verwicklungen und die Rolle, die ihre Familie darin gespielt hat – und ein bisschen etwas über sich selbst. Sie gewinnt an Wissen, verliert aber mehr als nur ein paar Illusionen.
„Zara verspürte eine neue Gewissheit. Sie musste ihre Erinnerungen neu formatieren, sie in einen anderen Zusammenhang bringen. Mit ihrem alten Weltbild konnte sie nichts mehr anfangen. Es war wie eine Karte mit falschen Wegen.“ (Seite 304)
Zaras Quest: Spannend und faszinierend
Die Ausgangssituation und Zaras sehr bildhaft und lebendig beschriebene Reise finde ich ungeheuer faszinierend. Und ich mag die internationale Atmosphäre, in der’s in allen möglichen Sprachen munter durcheinandergeht.
Manche philosophischen Exkurse haben mich jedoch überfordert Bei „Das Abstrahieren von Qualität ist spießig. Pure Logik ist squarness“ (Seite 79) bin ich raus, genau wie beim Aufdröseln der politischen Verhältnisse im Nahen Osten. Wer wann und warum mit wem gegen wen, welche Splittergruppen es gab und wo welcher Geheimdienst die Finger drin hatte, das ist mir zu hoch. Aber ich glaub‘, Zara hatte da ähnliche Probleme.
Eintauchen in eine andere Welt
Rezension von Michael Blum
Lisei Luftvogel ist mit ihrem zweiten Buch ein hochkomplexes Romanwerk gelungen, dem man sich kaum entziehen kann.
Wer das Bild von Paul Klee auf dem Buchcover ‚Der Doppel-Schreier‘ nicht kennt, wird zunächst ein wenig verwundert, aber umso neugieriger auf den Inhalt sein. Lisei Luftvogel ist mit ihrem zweiten Buch ein hochkomplexes Romanwerk gelungen, dem man sich kaum entziehen kann. Zunächst scheint das zentrale Thema Zaras Vatersuche zu sein; Zaras Suche ist dabei eingebettet in eine Reise nach Syrien und in den Libanon; offenbar ist ihr Vater, Kriegsreporter, nicht wirklich bei einem Unfall ums Leben gekommen und damals lediglich seine Lederjacke beerdigt worden. Aus vielen Puzzelsteinchen versucht Zara sich einen Reim darauf zu machen, wie die Geschichte nach dem Verschwinden des Vaters wohl weitergegangen ist, wo er sich aufhält und was der Grund für die Kontaktlosigkeit ist. Bei ihrer Suche taucht Zara ein in fremde kulturelle Welten Vorderasiens, in die Geschichte der Befreiungsbewegungen der Region und ihre verzweigten Verbindungen; sie begegnet nicht nur der Lebenswirklichkeit der Menschen der Region sondern auch der Freundschaft und der Liebe. Der Roman ist ein Lehrstück über die Zeit vor dem arabischen Frühling, als Hoffnung auf Veränderung herrschte und vieles möglich schien. Zaras Vatersuche ist aber auch der Versuch einer Neubestimmung der eigenen Identität, nicht nur eine Reise im Außen sondern auch im Innen – die vertrauten Werte ihrer linksalternativen Lebensart und Geisteshaltung stehen auf dem Prüfstand. Ein Roman, der die eigene Perspektive erweitert und einen bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt.

Ein mitreißender Spannungsgenuss mit tiefen Reflexionsebenen der Zeitgeschichte!
Rezension von Walter Pobaschnig
Literatur outdoors 7/24
„Die Blätter fallen. Und zwei rote davon direkt auf den Sarg ihres Vaters. Sprachlos stehen Zara und ihre Mutter vor dem Dunkel des Grabes. Viele Freunde sind gekommen, es ist bunt wie das Leben des Reporters, der in Indien bei einem Motorradunfall starb. So heißt es, jetzt, im stummen Fall der Blätter. Doch für Zara zerreißt die Stille im Schmerz und sie stürmt davon, wie ihr Vater Reinhard in seinem Leben zwischen Kulturen, Grenzen, Begegnungen und Aufbrüchen…
In Italien begegnen Zara und Ruth dem Fotografen Johannes, einen Kollegen des Vaters und jetzt kommt es zu einer Offenbarung, der Zara nur mit einem Schrei begegnen kann…
Ihr Vater ist nicht tot. Im Grab liegt nur die verbrannte Lederjacke.
Und jetzt bricht Zara auf. Eine Spurensuche beginnt zwischen Tochter und Vater, Erinnerung und Erfahrung, Religion, Kultur und Politik, Liebe und Schmerz, Hoffnung und Ausweglosigkeit…
Lisei Luftvogel, in Essen geborene und in Ferrara lebende Autorin, legt mit Der Doppelschreier ihren zweiten Roman vor und begeistert darinmit sprachlicher Virtuosität in einem kulturellen roadmovie der Sonderklasse.
Die studierte Philosophin wie ebenso der Arabistik/Judaistik packt eine spannungsgeladene persönliche Spurensuche in Brennpunkte der Zeitgeschichte des Nahen Ostens wie Kalten Krieges und lässt so ein Gesellschaftspanorama entstehen, dass an ganz große literarische Werke wie Thomas Mann oder Alfred Döblin erinnert, allerdings im verdichteten Zeitraffer eines krimigleichen Erzählstranges, der im dialogischen wie topografischen Tempo eine genuin selbstbewusste wie faszinierende literarische Form findet.
„Ein mitreißender Spannungsgenuss mit tiefen Reflexionsebenen der Zeitgeschichte!“
Der Doppelschreier, Lisei Luftvogel. Roman. Tredition.
Sprache: Deutsch
Ausgabe: Gebundenes Buch
Umfang: 396 Seiten
Verlag: Tredition
Erscheinungsdatum:25.06.2024
Preis: 25 Euro (Hardcover), 9,99 Euro (E-Book)
ISBN Hardcover: 9783384197207
ISBN E-Book: 9783384197214“
Walter Pobaschnig 7/24

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Zara auf der Suche
Rezension von Sabine Winkler
Themenreich, intensiv, einnehmend. Ich bin froh, dieses Highlight durch eine Leserunde kennengelernt zu haben.
Zara erfährt zufällig, dass ihr Vater Reinhard 1985 gar nicht bei einem Motoradunfall in Indien gestorben ist. Gleich einer Schnitzeljagd führt die Spur 2008 von Pisa und Berlin zunächst nach Damaskus, wo sich der Kriegsreporter aufhalten soll, und weiter nach Aleppo und Beirut. Im Nahen Osten trifft Zara immer wieder auf hilfreiche Menschen, mit denen sie in die Sprache und Kultur eintaucht. Gleichzeitig stellt sie sich Gerüchten und Halbwahrheiten über die Vergangenheit ihres Vaters: War er Kriegsreporter oder sogar in bewaffnete Konflikte verstrickt?

Der „Der Doppel-Schreier“ behandelt vielfältige Themen wie Liebe, Freundschaft und Familie, aber auch Generationskonflikte, kulturelle Missverständnisse, ideologische Blendungen und deren Folgen.
Der Titel des Buches wiederholt sich im Cover, auf dem das gleichnamige Bild von Paul Klee abgebildet ist, und dessen Thema – auch im übertragenen Sinn – sich durch das gesamte Buch zieht. Die Roadstory besteht aus vier Teilen, an deren Anfang immer ein Bild oder der Ausschnitt einer Landkarte bei der Orientierung hilft. Der Schreibstil ist bildhaft und voller Leben; man meint sogar die Hitze und die Gerüche der labyrinthischen Altstädte Syriens beim Lesen selbst zu spüren.
Auch Zara und die anderen Charaktere sind sehr lebensecht gezeichnet und es fällt meist leicht, ihr Verhalten zu verstehen und ihr Tun nachzuvollziehen. Doch es sind nicht nur diese intensiven Beschreibungen, die das Buch so faszinierend machen. Zaras Reise besteht auch nicht nur aus einer tatsächlichen Bewegung von A nach B. Es geht vor allem auch um die Erarbeitung von politischen Konstellationen und Konflikten des Nahen Ostens, auch um die kulturellen Unterschiede und Besonderheiten, sowie um die Kunst des Orients; eigentlich allgemein um die Konfrontation mit anderen Kulturen und die verschiedenen Wertvorstellungen, darunter auch um die Stellung der Frau. Die Autorin wirft immer wieder auch philosophische Fragen auf, die Zara in den Gesprächen mit ihren Freunden vertieft, deren Beantwortung aber großteils bei den Lesern und ihren Gedanken darüber bleiben. Das Buch ist daher sicher keine Lektüre, die man einfach so nebenher lesen kann – oder überhaupt möchte, denn das Interesse daran entsteht wie von selbst durch eine Art Sogwirkung, die von der Geschichte auszugehen scheint.
Und diese Geschichte verdient es daher, sich als Leser ausgiebig damit zu beschäftigen. Die vielfältigen Themen, die eingestreuten Musiktitel, die man Dank heutiger Technik sehr gut parallel beim Lesen mithören kann, die politischen Gegebenheiten der Gegenwart – oder eigentlich des Jahres 2008, in dem diese Reise erfolgte – deren Wurzeln in den Erinnerungen an Zaras Kindheit erläutert werden und nicht zuletzt Zaras ganz persönliche Geschichte – all diese Aspekte machen den Roman zu einem außergewöhnlichen und absolut lesenswertem Buch, das man sicherlich gerne auch öfter lesen möchte.
Der Moment, in dem Maja den Drachen küsst, ist einfach wunderbar – so wunderbar wie das Buch.
von @kerstin_aus_obernbeck (Bookbloggerin)
Lesenswert!
Im Mai hat @book_fairy04 das Buch „Anti“ von Lisei Luftvogel vorgestellt. Ich hab’s dann noch bei @dunis.lesefutter und bei Frank Goosen gesehen und nun ist es mir bei Lovely Books begegnet.
Wenn das kein Zeichen ist!?
Ich danke der Autorin für das Leseexemplar.In „Anti“ erzählt Maja (7) von ihrer Kindheit in den 70ern im Ruhrgebiet. Ihre Eltern Dieter und Dora sind getrennt, Maja lebt bei ihrem Vater, besucht aber regelmäßig die Kommune, in der ihre Mutter und ihr Bruder Jo wohnen.
Die Eltern sind politisch aktiv, haben Ziele und Ideale und kämpfen für eine bessere Zukunft. Maja wächst frei und antiautoritär auf. Dieser Lebensentwurf führt in der Schule mitunter zu Mobbing, sie ist anders und erlebt Vorurteile und Ausgrenzung. Besser ist die Situation in dem Kinderhort, in dem Maja viel Zeit verbringt. Dieser ist ein zweites Zuhause für sie und bietet die Möglichkeit zur Kreativität und Selbstbestimmung.
Wenn Maja nicht in der Schule oder im Hort ist, ist sie mit ihren Freunden auf der Straße unterwegs. Dort gibt es in den 70ern wenig Raum zum Spielen für Kinder, aber das hält Maja, Aljoscha, Nicole und all die anderen nicht auf. Aber auch hier begegnen sie Herausforderungen, denn nicht jede Begegnung ist harmlos und friedfertig. Aber Maja wäre nicht Maja, die mutige, unvoreingenommene und fantasievolle Drachenprinzessin, wenn sie nicht auch in solchen Situationen einen Plan hätte.
Mit „Anti“ habe ich eine Kindheit in den 70ern im Ruhrgebiet erleben und erlesen dürfen. Maja wächst ohne Verbote und mit viel Ermutigung auf. Sie erzählt so, wie sie ihr Leben erlebt – offen, geradeaus und dem Alter entsprechend. Maja ist neugierig, manchmal etwas forsch und geprägt von ihrer familiären Situation und den Idealen und Ansichten, die sie vorgelebt bekommt, aber natürlich nur bedingt versteht. Sie hat keine Berührungsängste mit ihr unbekannten Gegebenheiten, ist mutig und voller Fantasie.
„Anti“ ist allerbeste Unterhaltung. Eine Rückblende in eine Zeit des Aufbruches. Der Krieg liegt zurück, man schaut nach vorne, möchte modern und anders sein, den Muff alter Zeiten loswerden, andere Lebenskonzepte und -entwürfe ausprobieren und gestalten. Maja erlebt durch ihre Eltern und deren Umfeld diesen Umbruch, ist bei Demonstrationen und Hausbesetzungen dabei, kann jedoch altersbedingt natürlich nur bedingt verstehen, was passiert. Sie lebt eine freie Kindheit, erscheint glücklich und zufrieden.
Es gibt aber auch ein, zwei Situationen, die berühren, sei es als sie mit Dieter die Schultüte kauft und es sich für sie falsch anfühlt, selbst die Süßigkeiten auszuwählen oder der Besuch mit Dora in der Kirche.
In den 70ern wurde auch noch herzhaft vors Schienbein getreten und wenn man es auf der Straße mit lästigen Kindern zu tun hatte, dann ging man eben mal mutig durch die Kanalisation, um bis zum Sanktnimmerleinstag seine Verfolger mit üblen Geruch abzuschrecken.
Es findet sich in dem Buch der eine oder andere kleine Fehler, den ich aber fröhlich als anti-korrekte Rechtschreibung angesehen habe.
Laut Autorin ist es kein autobiographisches Buch, jedoch von ihrem Leben inspiriert. Danke für die schöne Geschichte.
„Es hat so eine wunderbare Leichtigkeit“
Von Stephan Henkel
Ich habe eben Anti zu Ende gelesen. Man fühlt sich wirklich in die Zeit zurückversetzt! Schön, dass die Geschichte keine Abrechnung mit der Elterngeneration ist. Es hat so eine wunderbare Leichtigkeit. Sehr erfrischend. Ich merke auch, wie anders meine Kindheit war. Lisei Luftvogel hat diese wunderbare Sicht auf die Welt bewahrt!
„Ein wunderbares Romandebüt, das in Erzähl-, Sprachkraft wie kritischen Reflexionsimpulsen begeistert!“
Von Walter Pobaschnig, in Literatur Outdoors – Worte sind Wege

1970er Jahre. Ruhrgebiet. Das Leben in Generationen. Wie gehabt…
Aber da gibt es auch andere, neue Lebensentwürfe. Leben, Liebe, Kinder. Neue Modelle, neue Wege…
Und jetzt beginnt für Maja, die Tochter von Dora und Dieter, die Schule. Form, Struktur und starres Verständnis von Gesellschaft treffen jetzt aufeinander…
„Die Schule ist doof…und Frau Wiemers versteht gar nichts…“
Die Eltern stehen jetzt vor der Aufgabe Welt und Wege zu verbinden. Ich und Wir als Entwurf zu leben und zu ermöglichen…
Und Maja macht ihre Erfahrungen und sucht sich ihre Welt im Erleben, Protestieren, Verändern und Weitergehen. Versucht mit Konfrontationen umzugehen und Stellung zu beziehen…
Maja geht ihren Weg. Nicht allein…
Lisei Luftvogel lädt mit ihrem Roman „Anti“ zu einer mitreißenden Zeitreise einer Kindheit und Jugend in 1970er Jahren und begeistert dabei in Sprachvirtuosität, Erzählspannung und feiner wir kritischer Psychologie und Gesellschaftskritik.
Die direkte Erzählform, welche die Autorin, meisterhaft beherrscht, hat eine außerordentliche Anziehungskraft, die gleichsam mit Maja Weg und Herausforderungen begeistert miterleben lässt. Zudem überrascht Kreativität, Phantasie und Reflexionsimpuls, die das Lesen zum Erlebnis wie zum kritischen Reflexionsimpuls werden lässt.
„Ein wunderbares Romandebüt, das in Erzähl-, Sprachkraft wie kritischen Reflexionsimpulsen begeistert!“
Zur Person: Lisei Luftvogel, 1971 in Essen geboren, lebt und arbeitet in Ferrara als Deutsch- und Feldenkrais-Lehrerin. Abschluss des Philosophiestudiums in Perugia. Mitwirkung an der Jahreszeitschrift für Ästhetik Davar, Reggio Emilia mit Artikeln über W. Benjamin, R.M. Rilke und M. Basho. 2021 erschien in der Jahresanthologie der Textmanufaktur der Anfang dieses Romans.
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Mit Kreativität die Angst überwinden
Ausflug in eine Kindheit
von Birgit Spaeth
Kinder haben nicht selten ein geradezu brutales Alltagsleben. „Anti“, das Erstlingswerk von Lisei Luftvogel berichtet aber nicht von Gewalt gegen Kinder, sondern vielmehr zwischen ihnen. In fein beobachteten Miniaturen erzählt die Autorin aus Kindersicht von den Bewährungskämpfen auf dem Schulhof, auf der Straße, im Hort und – ja – auch in der Familie. Die besteht hier allerdings nicht aus Vater, Mutter, Kindern, sondern aus wechselnden mehr oder weniger großen Wohngemeinschaften. „Anti“ steht für antibürgerlich – und das sind fast alle Figuren des Romans, so etwa der etwas ältere Beschützer der Schulanfängerin und Protagonistin Maja, ein Romajunge, die antiautoritären Erzieherinnen und Erzieher im Hort, die Antifa-Eltern sowie fast deren gesamtes soziales Umfeld.
Atemlos eilt dieser kurze Roman durch zwei Jahre Kinderleben. Ohne erzählerischen Abstand zu halten, reißt die Autorin eine Fülle von erlebten kleinen und kleinsten, aber auch größeren Ereignissen an. Sie schöpft aus einer sprudelnden Quelle von wichtigen Themen, die zum „Großwerden“ gehören: die kreativen Spiele und Kämpfe drinnen und draußen, Ängste im Umgang mit Autoritäten sowie den Phantasien, sie beherrschbar zu machen, erwachende und verebbende Freundschaften, kindliche Sexualität, Glaube und der frühe Beginn politischen Denkens. In der Auseinandersetzung scheint immer wieder die Frage auf: Bin ich ok – so anti, wie ich bin? Beim Lesen bleibt kaum Zeit zum Innehalten. Der Erzählfluss ist so mitreißend, dass man sich eine Fortsetzung wünscht.
Die Autorin Lisei Luftvogel wurde 1971 in Essen geboren. Sie lebt und arbeitet heute in Ferrara (Italien) als Deutsch- und Feldenkrais-Lehrerin. 2021 absolvierte sie einen Kurs für kreatives Schreiben bei der Textmanufaktur, in dem die Idee für diesen Erstlingsroman entstand.
Daten zum Buch:
Lisei Luftvogel: Anti
Tredition Publishing
Hardcover
120 Seiten
20 Euro
Erscheinungsdatum 1.Mai 2023
ISBN 978-3-347-87791-7
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