Die Freiheit sich mit dem Fahrrad oder zu Fuß in der ganzen Provinz bewegen zu können ist größer als ich gedacht hatte. Noch am 3. Mai, den Tag vor dem Ende der fast totalen Ausgangssperre, gab es großes Durcheinander mit den Gesetzten des Staates, der Region, der Provinz, die eigentlich seit ein paar Jahren abbeschafft ist, und der Stadt. All diese haben verschiedene sich wiedersprechende Gesetze herrausgegeben. Es wurde diskutiert, wer mehr Recht hat, die Stadt oder der Staat. In Ferrara herrscht seit wenigen Monaten die Lega. Die Region Emilia-Romagna hat bestimmt, alle Parks zu öffnen, aber sie hat die Bewegungsfreiheit auf die Provinzen beschränkt. Die italienische Regierung hat bestimmt, dass die Bewegungsfreiheit innerhalb der Regionen sei. Werbungen über schöne Bergwanderungen in den Appeneninen wurden herrausgegeben. Doch dann erfuhren wir, dass wir wirklich nicht aus der Provinz herrausdürfen. Hier gibt es keine Berge, nur Meer. Dort darf man aber auch nicht hin, hat die Region beschlossen. Im Auto darf man nur allein fahren. Kurz und gut. Am Ende ist es besser, sich nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu bewegen, dort soll man wohl kaum mehr kontrolliert werden. Aber die Stadt Ferrara, die Lega Regierung, hat die Parks geschlossen gehalten. Warum wohl, um der Region, die von der PD regiert ist, zu trotzen? Gestern ist der Stellvertretende Bürgermeister mit einem Lastwagen durch die Straßen gefahren und hat Stampfmusik über Lautsprecher verbreitet. Später hat er mit seinen Kumpanen eine Gartenparty veranstaltet. Tolles Beispiel. Feste sind hier verboten.
Aber nun zum schönen Teil. Das Gefühl wieder raus zu dürfen war herrlich. Die Leute durchbrachen die Grenzabsperrungen an den Parks und liefen einfach hinein. Alte, junge, Familien, alle. Heute habe ich meinen ersten Kaffee in einer Bar getrunken, auch das war ein Glücksgefühl. Den Kaffee musste man mit raus nehmen, also to go. Ich habe ihn auf meinem Fahrrad getrunken. Der erste Kaffee nach der Absperrung.
Wann ich wieder arbeiten kann, weiß ich nicht. Der Staat hat uns Selbstständigen einmalig 600 Euro gegeben, ob mehr kommt, weiß niemand so recht. Vielleicht ein zweiter Schub. Die Schulen sollen im September geöffnet werden. Nun werde ich erst mal viel Fahrrad fahren.