Immer mehr Menschen sterben in Bergamo. Die Ärzte und Pfleger sind infiziert, Altenheime, ganze Krankenhausstationen. Mir kommen beinahe die Tränen, als ich meinem Mann vom neusten Stand aus dieser gemarteten Stadt berichte. Jeden Tag berichten die Krankenhäuser aus ganz Italien über die Situation in den verschiedenen Gebieten. Ärzte aus China, Kuba und Venezuela sind eingeflogen, um zu helfen.
Die Leute aus meinem Deutschkurs sind zusammengerückt. Ich spüre eine größere Nähe unter ihnen, obwohl wir nur vor dem Bildschirm sitzen. „Wenn alles vorbei ist, gehen wir zusammen Pizza essen“, sagt jemand. „Ja, lasst uns Pizza essen gehen“, „Oh, ja, Pizza, wer weiß, wie lange das ganze noch dauert.“ „Sicher bis zum Sommer.“ „Auf alle Fälle werden wir zusammen Pizza essen.“ „Auch, im August,“ antworten die anderen. Pizza essen, zusammen… Eine Idee, ein Bild, eine Vorstellung, die sich immer weiter von mir entfernt. Auch die Filme, die ich mir abends zusammen mit meinem Mann ansehe, kommen mir irreal vor. Irreal, das Zusammensein, die vollen Straßen, wie schnell man sich umgewöhnt, denke ich mir.