Alles Anti oder was?

Rezension von Dagmar Nickel

Maja nimmt den Leser mit in ihre Grundschulzeit in den späten siebziger Jahren im Ruhrgebiet. Aus ihrer Sicht schildert sie die Erlebnisse zwischen Elternhaus, Schule, Hort und Freizeit. 

Verbieten verboten! Das gilt für die Erwachsenen in Majas Umfeld. Die Eltern sind Studenten und leben getrennt, engagieren sich auf Demos – die konservativen Nachbarfamilien aus Bergmanns-und Stahlarbeiterhaushalten können über „Solche“ nur die Nase rümpfen. Gut, dass es noch andere Außenseiterkinder gibt, die zusammenhalten. 

Gewalterfahrungen, in der Erziehung tabu, werden auf der Straße gemacht. Maja muss einstecken, kann sich aber auch behaupten. 

Viel zu schnell vergeht die Zeit und es gibt Veränderungen. 

Mich hat das Buch schnell in seinen Bann gezogen. Scheinbar zufällig werden die verschiedenen Episoden aneinandergereiht. Genau so wie Kindererinnerungen sind, intensiv und sprunghaft, der Zeitgeist ist gut getroffen Maja im Kampf gegen Anfeindungen von außen und dem Großwerden zu begleiten macht Spaß, die oft bildhafte Sprache lässt die Geschichten im Kopf lebendig werden. In den ernsten und verängstigenden Momenten leidet man mit den Kindern. 

Unweigerlich habe ich meine eigene Kindheit mit Majas Aufwachsen verglichen und finde es sehr spannend, in ein komplett anderes Lebensmodell einzutauchen. 

Gerne hätte ich Majas Werdegang weiter verfolgt. 

Prämiere-Lesung am Po

Hallo liebe Leute, das ist die erste Lesung meines Debütromans Anti. Meine erste Lesung überhaupt. Ich habe mein Bestes gegeben. Ich wohne seit über dreißig Jahren in Italien und die letzten zwanzig hat es mich hier in die Po-Region verschlagen. Ja, ich weiß, meinen Ruhrgebietsakzent hört man selbst nach all den Jahren noch heraus. Gerne würde ich auch in Deutschland lesen, interessante Fragen beantworten, diskutieren. Ich werde weitere Videos drehen. Ich würde mich über Fragen oder Anmerkungen zu meinem Roman oder auch zu dem Video freuen. Im nächsten Video würde ich dann die Fragen beantworten und auf Anmerkungen eingehen.

Schöne Grüße vom Po, Lisei Luftvogel

P.S. Als ich mit meinen Eltern das erste Mal im Bulli nach Italien reiste, wir kamen gerade die Berge herunter in die Ebene und fuhren über eine Brücke, da sagte mein Vater: „Kinder, das ist der Po.“ Mein Bruder und ich brüllten los vor Lachen und versteckten dabei unsere Gesichter in die Kissen.

Bald ist es soweit. Am ersten Mai erscheint „Anti“

Hier schon einmal eine Leseprobe

Daten zum Buch:

  • Lisei Luftvogel, Anti
  • Tredition Verlag
  • Hardcover
  • 118 Seiten
  • 20 Euro
  • Erscheinungsdatum 1.Mai 2023
  • ISBN 978-3-347-87791-7

Von Pommes, Bier und Wellensittichen

Nachdem wir in der Küche unsere Pommes aus den Pappschälchen verdrückt hatten, Dieter mit Currywurst, ich rot- weiß, sortierte ich meine Schultüte. Die Überraschungseier legte ich nach ganz oben, damit sie nicht zerquetscht wurden. Dieter öffnete die zweite Stauderflasche. Das letzte Mal in der Kneipe hatte ich sieben Gläser gezählt. Dieter meinte, nach einer gewissen Menge Bier würde er so seltsam reden wie unser Wellensittich. Mit oder ohne Sprechperlen, wollte ich wissen. Mit Sprechperlen natürlich. In die Schultüte passte wirklich alles hinein. Ich band die Schleife an dem Krepppapier zusammen. Die Schleife wurde ein Knoten. Unzufrieden zupfte ich daran herum. „Gib schon her“, sagte Dieter. Zum Glück war er noch nicht zum Wellensittich geworden. Yogi saß aufgeplustert auf der Stuhllehne, seine Augen geschlossen. „Bring den Vogel mal ins Bett“, sagte Dieter, „und du solltest auch gleich.“
„Er schläft doch schon.“
„Bei dem Licht kann keiner schlafen, der tut nur so.“
Ich stellte die Tüte am Eingang ab und holte meine
Schultasche, das Etui und den Malblock. Dora hatte die Stifte im Etui ausgetauscht. Ich roch an den Buntstiften. Lecker. Ich schloss es wieder und legte es in die Schultasche. „Wir hatten früher nur Griffelkästen und nicht so schöne Stifte“, sagte Dieter. Er war bei Flasche drei.
Ich fixierte meinen Vater. „Woran erkenne ich, dass du komisch wirst?“
Er zuckte mit den Schultern. „Morgen beginnt der Ernst des Lebens. Da musst du ausgeschlafen sein.“
Jetzt hörte er sich wirklich seltsam an, aber nicht wie Yogi, wenn er lustig auf meinem Finger hüpfte, an ihm knusperte und vor sich hinbrabbelte. Ich stellte mir Dieter als Wellensittich vor, mit einem weichen blauen Federbauch und musste lachen.
Aus: Lisei Luftvogel, Anti, 120 Seiten, Erscheinungsdatum erster Mai

Antiautoritäre Erziehung Berlin Pisa Damaskus Beirut Buchrezension dailyprompt dailyprompt-2099 E-Book Familiengeheimnisse Frankfurter Buchmesse Frensh Theory Freundschaft Freundschaft und Liebe Roman Generationskonflikt Buch Geschwister Historische Romane ideologische Blendung ideologische Verblendung Roman Katernberg kulturelle Missverständnisse Kulturelle Missverständnisse Buch Kulturen verstehen Lesung Literatur Naher Osten Naher Osten Roman Neuerscheinung 2023 Neuerscheinung 2024 Neuerscheinung Roman Nonkonformismus Parallelwelten Reiseabenteuer Buch Rezension Roman Romandebüt Ruhrgebiet Schrei Schule des Südens siebziger Jahre Spannung und Drama Suche nach Identität Syrien Libanon Literatur Top ten Indipendent Vergangenheitsbewältigung Roman Verlagssuche Walter Benjamin Zwischenwelt

Anti, Roman

Bald wird mein erster Roman erscheinen. Er spielt im Ruhrgebiet der siebziger Jahre, genauer gesagt in Katernberg. Wollt ihr mit auf Majas Abenteuer gehen? Dann macht Euch bereit.

„We don’t need no education. We don’t need no thought control. No dark sarcasm in the classroom. Teacher, leave them kids alone.“ (Pink Floyd)

  • Auflage: 1
  • ISBN: 978-3-347-87791-7
  • Veröffentlichungsdatum: 01.05.2023
  • Von Lisei Luftvogel
  • Sprache: Deutsch
  • Buchtyp: Hardcover
  • Seiten: 120

Ruhrgebiet, siebziger Jahre. Anti ist ein wichtiges Wort für die Ich-Erzählerin Maja, Anti wie antiautoritär, wie Anti-Atomkraft oder wie Antifaschisten. Der Roman handelt von ihrer Kindheit. Sie erlebt eine Welt voller Widersprüche, Schikanen und zu überwindender Hürden: Mobbing in der Schule und auf der Straße, das Fortleben von Krieg und Faschismus in Zeitungen und aufgeschnappten Gesprächsfetzen. Auf der anderen Seite der alternative Lebensentwurf ihrer Eltern Dora und Dieter, die gegen patriarchale Gesellschaftsstrukturen aufbegehren und in einer offenen Beziehung leben, mal getrennt und mal zusammen. Maja identifiziert sich mit diesem nonkonformistischen Modell und verteidigt ihre Ansichten gegen die herrschende Meinung, gegen ihre Lehrerin und gegen die anderen Kinder und Erwachsenen. Sie leidet aber auch unter dem Außenseiterdasein und erlebt es als Gewalt. Dieselbe Gewalt, die auch die Gastarbeiterkinder ertragen müssen.

Die Erzählung setzt ein, als Dora vor kurzem mit Majas kleinem Bruder Jo in eine Kommune nach Bochum gezogen ist. Zuhause in der Sozialwohnung ist Maja mit Dieter zurückgeblieben. Der antiautoritäre Kinderhort ist Majas zweites Zuhause und besonders im Villenviertel so verrufen wie eine Banditenkneipe. Im Hort „drucken“ die Kinder ihr Geld selbst und imitieren eine Zentralbank. Dabei parodieren sie den Kapitalismus, ohne es zu verstehen oder auch nur zu beabsichtigen.

Als die Gewalt auf der Straße unerträglich wird, beschließen Maja und Aljoscha, dass sie sich wehren müssen. Sie fassen einen Plan und führen ihn gegen die Widerstände der Erwachsenen durch.