https://shop.tredition.com/booktitle/Anti/W-678-118-677

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Rezension von Dagmar Nickel
Maja nimmt den Leser mit in ihre Grundschulzeit in den späten siebziger Jahren im Ruhrgebiet. Aus ihrer Sicht schildert sie die Erlebnisse zwischen Elternhaus, Schule, Hort und Freizeit.
Verbieten verboten! Das gilt für die Erwachsenen in Majas Umfeld. Die Eltern sind Studenten und leben getrennt, engagieren sich auf Demos – die konservativen Nachbarfamilien aus Bergmanns-und Stahlarbeiterhaushalten können über „Solche“ nur die Nase rümpfen. Gut, dass es noch andere Außenseiterkinder gibt, die zusammenhalten.
Gewalterfahrungen, in der Erziehung tabu, werden auf der Straße gemacht. Maja muss einstecken, kann sich aber auch behaupten.
Viel zu schnell vergeht die Zeit und es gibt Veränderungen.
Mich hat das Buch schnell in seinen Bann gezogen. Scheinbar zufällig werden die verschiedenen Episoden aneinandergereiht. Genau so wie Kindererinnerungen sind, intensiv und sprunghaft, der Zeitgeist ist gut getroffen Maja im Kampf gegen Anfeindungen von außen und dem Großwerden zu begleiten macht Spaß, die oft bildhafte Sprache lässt die Geschichten im Kopf lebendig werden. In den ernsten und verängstigenden Momenten leidet man mit den Kindern.
Unweigerlich habe ich meine eigene Kindheit mit Majas Aufwachsen verglichen und finde es sehr spannend, in ein komplett anderes Lebensmodell einzutauchen.
Gerne hätte ich Majas Werdegang weiter verfolgt.
Hallo liebe Leute, das ist die erste Lesung meines Debütromans Anti. Meine erste Lesung überhaupt. Ich habe mein Bestes gegeben. Ich wohne seit über dreißig Jahren in Italien und die letzten zwanzig hat es mich hier in die Po-Region verschlagen. Ja, ich weiß, meinen Ruhrgebietsakzent hört man selbst nach all den Jahren noch heraus. Gerne würde ich auch in Deutschland lesen, interessante Fragen beantworten, diskutieren. Ich werde weitere Videos drehen. Ich würde mich über Fragen oder Anmerkungen zu meinem Roman oder auch zu dem Video freuen. Im nächsten Video würde ich dann die Fragen beantworten und auf Anmerkungen eingehen.
Schöne Grüße vom Po, Lisei Luftvogel
P.S. Als ich mit meinen Eltern das erste Mal im Bulli nach Italien reiste, wir kamen gerade die Berge herunter in die Ebene und fuhren über eine Brücke, da sagte mein Vater: „Kinder, das ist der Po.“ Mein Bruder und ich brüllten los vor Lachen und versteckten dabei unsere Gesichter in die Kissen.
von Birgit Spaeth.
Kinder haben nicht selten ein geradezu brutales Alltagsleben. „Anti“, das Erstlingswerk von Lisei Luftvogel berichtet aber nicht von Gewalt gegen Kinder, sondern vielmehr zwischen ihnen. In fein beobachteten Miniaturen erzählt die Autorin aus Kindersicht von den Bewährungskämpfen auf dem Schulhof, auf der Straße, im Hort und – ja – auch in der Familie. Die besteht hier allerdings nicht aus Vater, Mutter, Kindern, sondern aus wechselnden mehr oder weniger großen Wohngemeinschaften. „Anti“ steht für antibürgerlich – und das sind fast alle Figuren des Romans, so etwa der etwas ältere Beschützer der Schulanfängerin und Protagonistin Maja, ein Romajunge, die antiautoritären Erzieherinnen und Erzieher im Hort, die Antifa-Eltern sowie fast deren gesamtes soziales Umfeld.
Atemlos eilt dieser kurze Roman durch zwei Jahre Kinderleben. Ohne erzählerischen Abstand zu halten, reißt die Autorin eine Fülle von erlebten kleinen und kleinsten, aber auch größeren Ereignissen an. Sie schöpft aus einer sprudelnden Quelle von wichtigen Themen, die zum „Großwerden“ gehören: die kreativen Spiele und Kämpfe drinnen und draußen, Ängste im Umgang mit Autoritäten sowie den Phantasien, sie beherrschbar zu machen, erwachende und verebbende Freundschaften, kindliche Sexualität, Glaube und der frühe Beginn politischen Denkens. In der Auseinandersetzung scheint immer wieder die Frage auf: Bin ich ok – so anti, wie ich bin? Beim Lesen bleibt kaum Zeit zum Innehalten. Der Erzählfluss ist so mitreißend, dass man sich eine Fortsetzung wünscht.
Die Autorin Lisei Luftvogel wurde 1971 in Essen geboren. Sie lebt und arbeitet heute in Ferrara (Italien) als Deutsch- und Feldenkrais-Lehrerin. 2021 absolvierte sie einen Kurs für kreatives Schreiben bei der Textmanufaktur, in dem die Idee für diesen Erstlingsroman entstand.
Daten zum Buch:
Lisei Luftvogel: Anti
Tredition Publishing
Hardcover
120 Seiten
20 Euro
Erscheinungsdatum 1.Mai 2023
ISBN 978-3-347-87791-7
Nachdem wir in der Küche unsere Pommes aus den Pappschälchen verdrückt hatten, Dieter mit Currywurst, ich rot- weiß, sortierte ich meine Schultüte. Die Überraschungseier legte ich nach ganz oben, damit sie nicht zerquetscht wurden. Dieter öffnete die zweite Stauderflasche. Das letzte Mal in der Kneipe hatte ich sieben Gläser gezählt. Dieter meinte, nach einer gewissen Menge Bier würde er so seltsam reden wie unser Wellensittich. Mit oder ohne Sprechperlen, wollte ich wissen. Mit Sprechperlen natürlich. In die Schultüte passte wirklich alles hinein. Ich band die Schleife an dem Krepppapier zusammen. Die Schleife wurde ein Knoten. Unzufrieden zupfte ich daran herum. „Gib schon her“, sagte Dieter. Zum Glück war er noch nicht zum Wellensittich geworden. Yogi saß aufgeplustert auf der Stuhllehne, seine Augen geschlossen. „Bring den Vogel mal ins Bett“, sagte Dieter, „und du solltest auch gleich.“
„Er schläft doch schon.“
„Bei dem Licht kann keiner schlafen, der tut nur so.“
Ich stellte die Tüte am Eingang ab und holte meine
Schultasche, das Etui und den Malblock. Dora hatte die Stifte im Etui ausgetauscht. Ich roch an den Buntstiften. Lecker. Ich schloss es wieder und legte es in die Schultasche. „Wir hatten früher nur Griffelkästen und nicht so schöne Stifte“, sagte Dieter. Er war bei Flasche drei.
Ich fixierte meinen Vater. „Woran erkenne ich, dass du komisch wirst?“
Er zuckte mit den Schultern. „Morgen beginnt der Ernst des Lebens. Da musst du ausgeschlafen sein.“
Jetzt hörte er sich wirklich seltsam an, aber nicht wie Yogi, wenn er lustig auf meinem Finger hüpfte, an ihm knusperte und vor sich hinbrabbelte. Ich stellte mir Dieter als Wellensittich vor, mit einem weichen blauen Federbauch und musste lachen.
Aus: Lisei Luftvogel, Anti, 120 Seiten, Erscheinungsdatum erster Mai
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