Der Doppel-Schreier, mein neuer Roman ist fertig

Hier das Fragment eines Schreis:

Paul Klee, ein Doppel-Schreier, 1939

„WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?“, Zara schrie so laut, dass es durch die ganze Kuppel hallte. Die Wände drehten sich. Sie legte die Hände auf den Kopf. Die Kolonnen drehten schneller. Der Fußboden sah aus wie Spinnweben. Sie zog den Kopf nach hinten und schrie weiter in Richtung ockerfarbener Kuppel. Die schwarz-weißen Säulen drehten sich, sie drehten sich, sie drehten sich. Zara schrie, sie schrie wie der Schrei von Munch. Das Bild hatte ihr als Kind Angst gemacht. Jetzt war sie selbst dieser Schrei. Schrei. Schrei. Schrei. Uaaaaaaaaaaaaaah. Ruth klebte ihr eine. Der Schrei blieb ihr in der Kehle stecken. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Zara Ruth an und schlug sie zurück. Ruth taumelte leicht. Johannes machte ein paar Schritte rückwärts in Richtung Ausgang. Die Wände rotierten nicht mehr. „Du bleibst hier“, schrie Zara Johannes an. „Ja“, sagte er leise. „Das geht hier alle an, nicht nur Ruth und mich. Komm bitte rein.“

Ruth setzte sich jenseits der Absperrung auf die Marmorstufen des Taufbeckens und begann zu weinen. Johannes nahm neben ihr Platz und streichelte ihr den Rücken.

„Johannes! Was hast du gesagt?“ Zaras Stimme war rau geworden.

Stille. Eine Minute Stille. Nur Ruths Schluchzen war zu hören, sie putzte sich die Nase.

„Ich habe Reinhard in einer Eisdiele in Damaskus getroffen.“

„Sag mal, spinnst du?“

„Wie?“

„Reinhard lebt? RUTH! Ihr seid doch alle bescheuert. Was geht hier ab?“

Johannes blickte hilfesuchend zu Ruth.

„Lass uns in Ruhe darüber sprechen“, sagte Ruth mit gebrochener Stimme.

„Du spinnst doch total. Die Beerdigung war gar nicht echt?“

„Was für eine Beerdigung?“, fragte Johannes.

„Wusstest du davon gar nichts?“, schrie Zara.

„Ich? Nein. Was für eine Beerdigung?“

„Seiner Lederjacke“, sagte Ruth leise.

„Ich habe geglaubt, er sei tot, du weißt das, Ruth.“

„O Mann, Scheiße“, sagte Johannes.